StepStone Trendstudie 2016 – Fachkräfte kennen ihren Marktwert

Fach- und Führungskräfte sehen ihrer beruflichen Zukunft entspannt entgegen und treten entsprechend selbstbewusst auf – so das Fazit der jüngsten StepStone Trendstudie, für die das Karriereportal im Frühjahr 2016 insgesamt 14.000 Arbeitnehmer befragt hat. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Ergebnisse der Erhebung im Kurzüberblick vor.

Angst vor Arbeitslosigkeit ist für die befragten Fach- und Führungskräfte offenbar kein Thema: Die große Mehrheit macht sich um ihren Job keine Sorgen. Insgesamt 70 Prozent sind sich ihrer Arbeitsstelle gewiss. Das spiegelt sich auch in einem hohen Selbstbewusstsein vieler Arbeitnehmer wider: 84 Prozent sind sich sicher, dass sie für den Erfolg des Unternehmens wichtig sind – ein Wert, der mit zunehmender Berufserfahrung sogar noch ansteigt.

Dass diese Selbstsicherheit nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt ein weiteres Teilergebnis der Studie: Für mehr als zwei Drittel der befragten Arbeitnehmer dauerte die letzte Suche nach einem neuen Job maximal sechs Monate. Lediglich 10 Prozent mussten länger als ein Jahr investieren, um eine passende neue Herausforderung zu finden.

Entsprechend positiv werden die längerfristigen Perspektiven gesehen. Insgesamt 31 Prozent aller Fach- und Führungskräfte beurteilen ihre Jobchancen heute besser als in den vergangenen Jahren – gegenüber lediglich 20 Prozent, die eine Verschlechterung für sich beobachten. Aber: Nur 24 Prozent sehen gute Chancen auf mehr Geld im bestehenden Job. Da verwundert es wenig, dass mit 18 Prozent nur eine Minderheit fest davon ausgeht, in fünf Jahren noch für den gleichen Arbeitgeber zu arbeiten.

Der perfekte Job – die Suche nach dem heiligen Gral

Mit zunehmendem Selbstbewusstsein steigen auch die Ansprüche der Mitarbeiter an ihr Arbeitsumfeld. Job und Privatleben müssen möglichst perfekt zueinander passen. Hier werden Gesundheit, persönliche Entwicklung, berufliches Vorankommen, Familie und Partnerschaft  von jeweils mehr als 80 Prozent aller Befragten als wichtige Faktoren in der mittelfristigen Lebensplanung benannt.

Die logische Folge: Für die Mehrheit der Fachkräfte (60 Prozent) kommt ein Wechsel nur dann in Betracht, wenn sie sich absolut sicher sind, dass der neue Job sich in allen Belangen mit ihren Vorstellungen in Einklang bringen lässt. Nur 27 Prozent würden für einen neuen Job umziehen, weitere 20 Prozent wären immerhin bereit zum wöchentlichen Pendeln.

Bei den konkreten Erwartungen an das berufliche Umfeld halten sich harte und softe Faktoren weitgehend die Waage: Rund 70 Prozent der Befragten ist ein gutes Verhältnis zu den Kollegen wichtiger als herausfordernde eigene Aufgaben. Und 87 Prozent wünschen sich eine Führungskraft, die ein eigenverantwortliches Arbeiten zulässt bzw. fördert. Aber: Der wichtigste Faktor für den nächsten Karriereschritt ist dann doch das Gehalt – 69 Prozent betrachten eine bessere Vergütung als zentrale Voraussetzung für die Übernahme zusätzlicher Verantwortung.

Wie man gute Bewerber verschreckt

Auf der Suche nach passenden Bewerbern lauern viele Fallstricke. Das beginnt bereits mit der Formulierung der Stellenausschreibung und den Informationen auf der Website. So gaben 84 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte an, dass sie ein Jobangebot ablehnen würden, wenn im Bewerbungsgespräch klar wird, dass Arbeitsplatz und Unternehmen nicht authentisch beschrieben worden sind. Weitere 56 Prozent fühlen sich aufgrund unattraktiver Stellenanzeigen oder Karriereseiten abgeschreckt.

Rund 40 Prozent der Befragten würden sich gegen eine Bewerbung entscheiden, wenn ihnen der Bewerbungsprozess zu kompliziert erscheint. Besonders bemerkenswert: Für ein knappes Viertel reicht dafür schon allein die Notwendigkeit, sich über ein Online-Formular bewerben zu müssen – die Präferenzen von Zielgruppe und Recruiting klaffen hier offenbar erheblich auseinander. 

Die vollständige Studie kann abgerufen werden unter: www.stepstone.de/trendstudie

Kommentar von Sebastian Hergott

Die Ergebnisse der Trendstudie spiegeln wider, was wir auch in der täglichen Mandatsarbeit erleben: selbstbewusste Kandidaten, die sich in ihrem Job sicher fühlen und umworben werden wollen. Wer diese Kandidaten für sich gewinnen will, muss einerseits hinreichend spannende Anreize schaffen (die zentrale Aufgabe des Arbeitgebers), andererseits aber auch die richtigen Argumente ausrollen. Hier setzen wir als Personalberater einen besonderen Fokus: Nur wer den Kandidaten und seine Bedürfnisse zuverlässig „lesen“ kann, ist in der Lage, individuell darauf einzugehen und entsprechend zu punkten.

Auch die getroffenen Aussagen zum Bewerbungsprozess kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Ausgangslage für ein Direktansprache-Mandat ist für uns häufig, dass sich eine Stelle trotz langwieriger Suche vermeintlich nicht auf klassischem Wege besetzen lässt. Dabei stellt sich leider immer wieder heraus, dass auch der bisherige Bewerbungsprozess nicht professionell umgesetzt worden ist. Das reicht von wenig aussagekräftigen Tätigkeitsprofilen über lange Reaktionszeiten auf Bewerbungen bis hin zu schlecht vorbereiteten Interviews. Im Zweifelsfall gehen so passende Kandidaten noch auf den letzten Metern verloren. Insofern sehen wir uns nicht nur als Headhunter, sondern auch als Berater in Bezug auf eine optimale Candidate Experience.